Nein zur Sonntagsöffnung im Handel!

Freitag 20. März 2015, von Katrin Kubetschka

Das Weihnachtsgeschäft 2014 ist vorbei, es gibt ein kleines Weihnachtswunder zu verzeichnen: das Umsatzergebnis dürfte auf Vorjahresniveau liegen. Jubel und Freude! Die WahrsagerInnen der Handelszünfte haben in ihren Kristallkugeln weit düsterere Szenarien vorhergesehen. Aber die KonsumentInnen haben in der Weihnachtszeit überraschend gehorsam konsumiert.

In diesem Zusammenhang ist die „Sonntagsfrage“ von großer Bedeutung: sollen die Geschäfte an Sonn- und Feiertagen geöffnet haben? Schauen wir uns die Vorkämpfer an, die bereits jetzt sonntags öffnen, scheint die Frage beantwortet: ewig lange Schlangen ab frühmorgens, im BILLA am Praterstern gibt es wegen Überfüllung zeitweise einen Eintritts-Stopp.

Wollen die Leute also am Sonntag einkaufen?
Der Mensch ist bequem, niemand kann sich den Suggestionen der Marketing-ExpertInnen entziehen. „Einkaufen“ ist als niedrigschwellige Bedürfnisbefriedigung in unserem Unterbewusstsein verankert. Freudlose bis verzweifelte Lebensumstände führen zu dem Versuch, sich „glücklich zu shoppen“. Da unter der Woche keine Zeit bleibt, ist der Sonntag naheliegend.

Die Konsequenzen der Sonntagsöffnung dürften den meisten KonsumentInnen aber gar nicht bewusst sein. Die Handelsangestellten dagegen sind im Bilde: eindeutig und geschlossen lehnen sie die Sonntagsöffnung ab (wie zahlreiche Umfragen immer wieder bestätigen, z.B. eine kürzlich durchgeführte IFES-Umfrage: 83% der befragten Handelsangestellten sind gegen die Sonntagsöffnung).

Welche Folgen hätte die Sonntagsöffnung für die betroffenen Arbeitnehmerinnen?
Es ist ganz einfach: der Sonntag ist der einzige Tag in der Woche, an dem der Großteil der Bevölkerung Zeit zur Verfügung hat – selbstbestimmte und vor allem GEMEINSAME Zeit.

Ohne gemeinsame Zeit - ob mit der Familie, mit PartnerInnen, FreundInnen oder Bekannten - ist eines der wesentlichsten Grundbedürfnisse des Menschen, der Aufbau und die Pflege von sozialen Kontakten, nicht zu erfüllen.

Der Ausdruck „Soziale Kontakte“ klingt sehr nüchtern. In Wahrheit geht es um die Menschen die wir lieben, die uns nahestehen und die für uns wichtig sind. Diese Beziehungen machen unser Leben erst lebenswert.

In einer Welt der deregulierten Arbeitszeiten wird uns die Möglichkeit der Gemeinschaft mit anderen genommen! Die Konsequenzen für die Einzelnen und für die Gesellschaft insgesamt schätze ich als katastrophal ein. Was für eine Gesellschaft soll das sein, in der persönliche Begegnungen die Ausnahme sind?

Fatale Auswirkungen
Abgesehen von den verheerenden psychosozialen Folgen ergeben sich andere, konkrete Probleme. Um nur zwei herauszugreifen:

• Was ist mit der Betreuung der Kinder der Sonntags- arbeiterInnen? Die Kinderbetreuung funktioniert noch nicht einmal bei den derzeitigen Arbeitsverhältnissen, wie kann es da eine Lösung für die Sonntage geben?

• Sonntagsarbeit im Handel zieht auch weitere Sonntagsarbeit in andern Branchen mit sich: im öffentlichen Verkehr, bei Einsatzkräften, bei der Kinderbetreuung – bis irgendwann einmal jede/r am Sonntag arbeiten muß!

Ausserdem: in einer kapitalistischen Metropole ist die Entschleunigung an einem weitgehend lohnarbeitsfreien Tag überlebenswichtiger Balsam auf die Seelen der gehetzten Menschen.

Es geht nicht einfach nur darum, ob die Geschäfte am Sonntag geöffnet sein dürfen oder nicht. Letztendlich handelt es sich um die prinzipielle gesellschaftliche Entscheidung, ob das Privatleben noch halbwegs menschenwürdig gestaltet werden darf, oder ob die Unterwerfung der ArbeitnehmerInnen unter den alle Lebensbereiche beherrschenden Markt so weiter geht!