Von Katrin Kubetschka und Patrick Kaiser

Die Leopoldstadt baut – Wenige haben etwas davon

Donnerstag 20. März 2014, von Katrin Kubetschka, Patrick Kaiser

In der letzten PolDi-Ausgabe haben wir uns bereits mit der Baumafia im 2.Bezirk beschäftigt. Die Leopoldstadt war immer ein sympathischer Gegenpol zur reichen Innenstadt: leistbarer Wohnraum, eine gut durchmischte Gesellschaft (hauptsächlich ArbeiterInnen und Angestellte), buntes Treiben in den einzigartigen Naherholungsräumen. Dieses Bild ändert sich: Monsterbauten wuchten sich in die Luft, sterile Viertel entstehen. Öffentliche Freiräume und Erholungsräume weichen der Spekulation und Verbauung.

Am Besten sieht man die Auswirkungen dieser bedenklichen Entwicklung in ganz Wien entlang der neuen U2-Trasse um die Messe.

Das „Viertel Zwei“
Nur durch die Ausstellungsstraße vom gründerzeitlichen Stuwerviertel getrennt, entstand ein Handelsviertel mit Hochhäusern, Gewerbeimmobilien und Hotels. Dazwischen unbelebte triste Straßen, die nur zu Bürobeginn und -schluss von zu U-Bahn oder Auto stürmenden „Anzug-Menschen“ geflutet werden. Mit der neuen WU entstand eine abgeschlossene Lebenswelt für Hochfinanz und Großfirmen. Gleichzeitig werden die angrenzenden gewachsenenen Viertel mit durchmischter Bevölkerung unter Druck gesetzt (Verkehr und steigende Wohnkosten).

Die Krieau
Die nahe Grünoase Trabrennbahn Krieau ist kein öffentlich zugänglicher Erholungsraum, eigentlich sollte sie für die Bevölkerung geöffnet werden. Doch was ist stattdessen geplant? Wie im „Viertel Zwei“ sollen auf einem Teil des Trabrennplatzes hauptsächlich Bürobauten bis 120 m hoch und Kurzzeitwohnungen für reiche Wirtschaftsstudenten entstehen. Für Wohnungen sind 40 % der Fläche vorgesehen, allerdings mit unleistbaren Mieten oder im Eigentum. Die Planer rühmen sich einer autofreien Stätte, doch schon in den bestehenden Büroungetümen arbeiten zigtausende Menschen. Mit dem von ihnen verursachten Verkehr sinkt schon jetzt die Lebensqualität in den umliegenden Vierteln und im Grünen Prater. Zudem wird dem Grünen Prater immer wieder unbemerkt Fläche abgezwackt, wie zuletzt beim illegalen Bau einer 8.000 m2 großen Trafostation. Die Rennbahn in der Krieau soll übrigens noch erhalten bleiben, man kann sich jedoch vorstellen, welchen Druck die Umgebung auf eine vollständige Versiegelung der Fläche ausübt.

Warum passiert das, wer profitiert?
Monströse Großevents (die zum Glück verhinderte EXPO 95, die EM 2008) sind der Vorwand, um Umwidmungen von Naherholungsgebieten in Bauland zu rechtfertigen. Durch Verbesserung der Infrastruktur (U-Bahn-Bau etc.) steigen die Grundstückspreise in lichte Höhen. Die öffentlichen Grundstücke werden dann von der Stadt zu Spottpreisen an Spekulanten und Immobilienentwickler verscherbelt, welche schließlich gut daran verdienen. In der Krieau und ihrer Umgebung vermieten Firmen wie die IC-Projektentwicklung (Raiffeisennah) und die CBRE (weltweit führende Gewerbeimmobilienfirma) große Teile des Gebiets. Gleichzeitig floriert die Bauwirtschaft, es muss gebaut werden, egal was - dies alles auf Grundstücken, die eigentlich der Allgemeinheit gehörten. Verlierer ist hier eindeutig die Bevölkerung.

Es kommt noch schlimmer
Fix ist, dass diese monströse Bauform mit zahlreichen Hochhäusern bis zum rechten Donauufer fortgesetzt wird. Beim zukünftigen „Marina-Tower“ ist bereits eine Überplattung des Handelskai vorgesehen. Dann wird dem rechten Donauufer ein Teil seiner Erholungsfunktion genommen. Die 4 km Uferlinie der Leopoldstadt am rechten Donauufer wecken sowieso schon länger Begehrlichkeiten, für die Zukunft ist auch hier eine dichte Verbauung konkret geplant.

PolDi fordert:

• Die Stadt ist für die Menschen da, sie gehört gemeinsam geplant!

• Forcierter Bau von leistbaren Wohnungen statt sinnloser Großprojekte, an denen einige Wenige verdienen!

• Nicht nur Erhalt, sondern Erweiterung von öffentlichen Naherholungsräumen!

• Wir lassen uns unsere Stadt nicht nehmen!