Olympia, NEIN DANKE!

Mittwoch 27. Februar 2013, von Patrick Kaiser

Wir sagen Nein zu olympischen Sommerspielen in Wien, weil • die Mieten steigen würden • nur Baulobby und Großkonzerne davon profitieren • wir keine Flugabwehr-Raketen in der Leopoldstadt haben wollen

Kaum sind die negativen Auswirkungen der EURO 2008 halbwegs sichtbar, bläst die Wiener Stadtregierung zum Halali auf ein noch viel teureres und gigantomanischeres Kommerzprojekt: Es soll über eine Olympiabewerbung 2028 abgestimmt werden.


Mit Jubelinseraten in diversen Gratis-Zeitungen läuft die Medienmaschinerie Pro-Olympia bereits auf vollen Touren. Ominöse Impulse für Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Stadtentwicklung sowie gewaltige Werbeeffekte werden lauthals betont. Profitieren könnten an solch einem Projekt allerdings nur Wenige. Auswirkungen und Kosten für die Bevölkerung wären dagegen fatal.

Was kostet Olympia, wer profitiert?

Für London 2012 hat sich der Aufwand auf 18 Milliarden Euro subsummiert, während allein das Internationale Olympische Komitee (IOC) einen Gewinn von fast 4 Milliarden Euro verbuchen konnte. Durch erfolgreiche Interventionen ebenso unversteuert wie die Ausgaben multinationaler Großsponsoren.

Am meisten profitiert die Baulobby von der Errichtung teurer Sportstätten auf vormals öffentlichem Freiraum. Diese werden zum Großteil wieder abgebaut oder können nicht mehr nachhaltig weiter genutzt werden. Die Fußball-EM 2008 hat neben bedeutenden Kosten (z.B. für das nun ungenutzte Klagenfurter Fußball-stadion) Umsatzrückgänge in vielen Gewerben inklusive der Hotellerie gebracht. Von einer positiven Bilanz solcher Megaevents ist man also weit entfernt. Lokale UnternehmerInnen können von olympischen Spielen in keinster Weise Gewinn erwarten. Nur Großsponsoren dürfen rund um die Spiele verkaufen und sich namhaft machen.

Olympia London 2012: Megabaustellen in ehemaligem Grünraum (wikipedia.org)

Mietsteigerungen und „Gentrifizierung” unvermeidlich

Großveranstaltungen wie die olympischen Spiele verschärfen den Prozess der sog. „Gentrifizierung”, Mieten steigen im Umfeld exorbitant. Dafür werden für nur Wenige leistbare Nobelwohnbezirke errichtet, denen Grün- und öffentlicher Freiraum weichen muss. In London wurden Mieter nachweislich zur Aufgabe ihrer Wohnungen gezwungen, damit Immobilienhaie diese um das 20fache an Olympiabesucher vermieten konnten. In Barcelona hat sich nach den Spielen 1992 wiederum ein ehemals „heruntergekommener” (Neusprech für billiger/sozial durchlässiger) Stadtteil zu einem überteuerten Trendviertel gemausert.

Überwachung und Militarisierung = Öffentlicher Ausnahmezustand auf Dauer

London 2012 lehrt uns, dass bei allen derartigen Großevents Überwachungswahn und Sicherheitsfetischismus regiert! Öffentliche Plätze wurden mittels Videoüberwachung, unterstützt durch Gesichts- und Verhaltenserkennung, rigoros sicher gehalten. Diese Einrichtungen werden im Anschluss natürlich nicht abgebaut, sondern weiterbetrieben.

Flugzeugträger auf der Themse, mehr britische Soldaten in den Straßen als in ganz Afghanistan, Fliegerabwehrkanonen auf Wohnbauten, ganze Viertel auch für die Wohnbevölkerung abgeriegelt. Diese größte Mobilisierung der Streitkräfte im Vereinigten Königreich seit dem 2. Weltkrieg könnte Wien wohl nur übertreffen, indem die NATO um Hilfe gerufen wird.

Olympia London 2012: Fliegerabwehrkanonen auf Wohnhäusern (dailymail.co.uk)

Die Leopoldstadt als betroffener Bezirk

Der Zweite Bezirk hat nach der Euro 2008 noch immer unter seiner „Aufwertung” zu einem Trendbezirk, und damit unter uferlos steigenden Mieten sowie haltloser Verbauung zu leiden. Durch die Nähe zu jetzigen und vielleicht zukünftigen Veranstaltungsorten sowie der auf Verbauung wartenden Freiflächen wären hier die Auswirkungen von olympischen Spielen sehr deutlich zu spüren.

Deshalb fordern wir:

Nein zur Veranstaltung Olympischer Sommerspiele in Wien! Die Belastungen für die Lebensqualität der Wiener Bevölkerung und die Umwelt wären enorm. Zugleich stehen wir für die Förderung des Breitensports, die Rücknahme der Einsparungen bei Turnstunden an den Schulen und die Rückgewinnung öffentlichen Raumes für sportliche Aktivitäten der Allgemeinheit ein. Die wäre volkswirtschaftlich sinnvoller und definitiv billiger.

PolDI meint: Solange in Wien Menschen Delogierungen und Armut erleiden, sollte die Stadtregierung nicht einmal daran denken, Mittel für den Olympia-Irrsinn zur Verfügung zu stellen. Sonst könnte man Rot-Grün unterstellen, die Stadt noch weiter nach kommerziellen und autoritären Prinzipien umbauen zu wollen!