Verbotswahnsinn Praterstern

Sonntag 21. Juli 2019, von Stefan Ohrhallinger

Opa Josef fährt mit seinen Enkelinnen U-Bahn. Die 9-jährige packt einen Apfel aus, da sagt ihre 13-jährige Schwester empört: „Du darfst hier nicht essen!“. Was darf man in Wien eigentlich noch? Und warum sind die Kinder schon so stark auf die ständig zunehmenden Verbote sozialisiert?

Viel ist auch am Praterstern verboten - z.B. Alkoholkonsum und neuerdings auch alles, was als Waffe dienen könnte. Die vagen Formulierungen in den Verordnungen geben der Polizei großen Ermessungsspielraum. Damit können unliebsame Gruppen schikaniert und (zwar nicht weit, aber zumindest aus Sichtweite) vertrieben werden. Es geht hier um nur ca. 50 Menschen, die sich aus verschiedenen Gründen am Stern treffen, weil es für sie dafür keine anderen geeigneten konsumfreien Räume gibt.

Verbote nur für manche
Direkt daneben im Schanigarten darf man hingegen um rund 4 Euro pro Glas soviele Biere trinken, wie man will. Das von Bürgermeister Ludwig (SP) gleich nach seinem Amtsantritt eingeführte selektive Alkoholkonsumverbot trifft damit jene, die sich das nicht leisten können - und spaltet uns damit in zwei Klassen, nach dem Kriterium „wer kann erfolgreich Geld erwirtschaften“ und wer nicht. Sozial wäre es hingegen, den Platz - anstatt nach reinen Verwertungsaspekten - so zu gestalten, dass er die Bedürfnisse aller Menschen erfüllt, die hier vorbeikommen und sich aufhalten.

Sichere Räume gehen anders
Neben dieser Klassenfrage ist es auch wert, die Sicherheitsfrage zu betrachten: Objektiv geht die meiste Gefahr am Praterstern nämlich von den Menschen aus, die dort mit ihren Kfz unterwegs sind und jedes Jahr im Schnitt zwanzig Kollisionen mit Personenschaden verursachen, Tendenz steigend. Plätze mit viel Kfz-Verkehr fühlen sich auch subjektiv unsicher an.

Wenn wir den Praterstern aus der richtigen Perspektive betrachten, können wir nicht nur einen funktionalen, sondern auch einen angenehmen Raum für alle schaffen!