Bloomsday 2010 in Wien am 16. Juni

1. Amtlicher Feiertag der Augartenstadt

Donnerstag 10. Juni 2010, von CK

Der "erste österreichische Bloom’s Day" ist laut Rolf Schwendters Standardwerk "Subkulturelles Wien" im Jahr 1966 gefeiert worden. Die Organisatoren waren, neben dem Buchautor, der vielen als Initiator des Wiener Lesetheaters bekannt ist: Marc Adrian (avantgardistischer Künstler und Filmemacher, starb im Februar 2008); Joe Berger (Dichter, Schauspieler, Aktionist, Anarchist, starb 1991); Gunter Rupp (Künstler, Philosoph und Gründer des Lokals Santo Spirito in der Kumpfgasse).

Die Wiener Avantgarde holte damit eine Tradition nach Österreich, die in anderen Großstädten schon tiefer verwurzelt war: alljährlich am 16. Juni den Bloom’s Day zu feiern - und damit dem vielleicht genialsten Prosaisten aller Zeitgen zu huldigen: James Joyce, dessen "Ulysses"-Romanheld Leopold Bloom am 16. Juni 1904 durch Dublin odyssiert. Der Aktionsradius Wien, der den Bloomsday nun zum vierten Mal feiert, ehrt an diesem Tag nicht nur den irischen Dichter, sondern alle zum Spiel mit der Sprache Fähigen, denn neben der Liebe und dem Traum sind nur das Spiel und die Kunst Terrains der Hoffnung in Zeiten des Versagens der herkömmlichen Politik.

Der Tag davor, Dienstag 15. Juni

ZIMMER FREI. Besuch in einem Raum der keinen Konventionen unterworfenen Schreibarbeit. Marianne Fritz lebte zurückgezogen im 7. Wiener Gemeindebezirk. Dank des großzügigen Entgegenkommens von Fritz’ Lebensgefährten Otto Dünster wird die Privatheit ihrer Wohnung für kurze Zeit aufgehoben und im Rahmen des Bloomsdays der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Treffpunkt: 19h, 7., Schottenfeldgasse.

Der Tag des Tages, Mittwoch, 16. Juni

Magdalena Steiners Originale des Ulysses-Comics , die regelmäßig die hintere Umschlagseite des Augustin füllen, werden in der VHS Hietzing ausgestellt. Am eigentlichen Bloomsday erläutert die Künstlerin ihren Zugang zu James Joyce. VHS-Direktor Robert Streibel erklärt, warum und seit wann der Bloomsday gefeiert wird und inwiefern die literarische Sprache von James Joyce, die ihrer Zeit weit voraus war, auch heute noch eine Herausforderung für Lesesüchtige ist.

Die Fahrt des Tages, Mittwoch, 16. Juni

Der Erste Wiener Ulysses Express (ein Bus mit dem Drang, sich wie in Dublin auf der linken Fahrbahnseite fortzubewegen) startet von der VHS Hietzing, um das ziel am Gaußplatz anzusteuern, wo um 18.30 Uhr vor und im Lokal des Aktionsradius Wien die Große Augartenstädter Bloomsday Revue beginnt. Während der Fahrt improvisierte Aktivitäten des Augartenstädter Literaturtheaters. Unterbrechung der Fahrt an überraschendem Ort mit überraschender Begegnung.
Abfahrt: 17 Uhr, vor der VHS 13

Die Nacht des Tages, Mittwoch, 16. Juni

Die Bloomsday Revue startet am Platzl vor dem Kulturlokal Gaußplatz 11 mit einer Begrüßung der Menschen aus dem Ulysses Express durch irische Live-Musik. Danach Lesung des Wiener Schriftstellers Eugen Bartmer und Präsentation der "Tarantel"-Spezialausgabe anlässlich des Bloomsdays zum Thema Ulysses und Pornografie. Fortsetzung indoor mit Hans Peter Novaks Ulysses-Kammermusik, mit dem in München lebenden Künstler Ken Dowsing, der erstmals in Wien Bilder und Videos zu Ulysses präsentiert (Screen), mit Kurt Palms Diavortrag "Der ganze Ulysses in 17 Minuten", mit Irish Folk Musik, mit irischem Whiskey und mit weiteren bloomigen Interventionen.
Beginn: 18.30 Uhr, Gaußplatz 11
Eintritt: Spenden

Organisation: Aktionsradius Wien
Kooperation: VHS Hietzing