Im Prater blühen die Bäume – wie lange noch?

Sonntag 21. Oktober 2018, von Eva Hopfgartner

Spätestens in diesem Sommer, der durch extreme Hitze und Unwetter gekennzeichnet war, haben es auch die Letzten begriffen: wir verheizen unseren Planeten und gefährden das Leben unserer Nachfolgegenerationen. Die ökologische Frage ist von der sozialen Integration nicht zu trennen.

Wir stellen die Frage: Wie begegnet die rot/grüne Stadtregierung und der grüne Bezirksvorsitz in der Leopoldstadt der ökologischen Herausforderung „Klimaschutz“ und der „sozialen Integration“, die von einander nicht zu trennen sind?

Am Beispiel Krieau wird veranschaulicht, dass kein politischer Wille vonseiten „rot“ und/oder „grün“ in die richtige Richtung geht: Statt Freiraumkennwerte einzuhalten, Versiegelungsanteile und den motorisierten Individualverkehr (MIV) in der Stadt möglichst gering zu halten, sowie mit geeigneten sozialen Wohnbauprojekten zu kombinieren (endlich!! bitte für ALLE leistbaren Wohnraum zu schaffen!!) wird der Immobilienspekulation einiger Privater immer noch alles untergeordnet!

Aktueller Anlass: Krieau

Im Juli 2018 kam es nun zum Verkauf des gesamten Trabrennbahnareals an die „Viertel Zwei Projektentwicklungs GmbH“. Der Kaufpreis wurde bis dato nicht bekannt gegeben.

Vorgeschichte: Die „Viertel Zwei Projektentwicklung GmbH“ gehört zur „Seeberg Privatstiftung“, als deren Stifter Michael Griesmayr und seine Eltern fungieren. 2004, 2006, 2011 und 2018 hat Griesmayr über Deals mit der Gemeinde Wien, die unter höchst fragwürdigen Begleitumständen zustande kamen, Vorkaufsrechte und letztlich die Grundstücke der Trabrennbahn Krieau zu sehr günstigen Preisen erworben. Das Kontrollamt, Wiens Pendant zum Rechnungshof, sowie zwei Rathausbeamte haben diese Deals mitsamt ihren Begleitumständen massiv kritisiert. Aber ihre Empfehlungen blieben allesamt ungehört. Resümierend kann man lt. Prüfbericht und Aktenvermerk von 2011 festhalten, dass „die Geschäfte in vielerlei Hinsicht kaufmännischer und juristischer Sorgfalt bzw. den üblichen Gepflogenheiten im Immobilienwesen entbehrten“, außerdem „hätte zumindest ein weit höherer Preis für die Gemeinde erzielt werden können“. „Möglicherweise handelt es sich um Dutzende Millionen Euro, die der Gemeinde – und damit dem Steuerzahler – entgehen“ und „der Vertrag soll angefochten werden, weil es sich dabei nur um einen Irrtum handeln kann“. Schlecht für uns alle (die Gemeinde), gut für den privaten Anbieter! – So weit, so nicht gut.

Was aber baut Herr Griesmayr bzw. die „Viertel Zwei Projektentwicklungs GmbH“ auf den Grundstücken der ehemaligen Krieau? Hochhäuser (OMV-Gebäude samt umliegender Hotels), hochpreisige Studentenwohnheime mit Designanspruch (Studentenappartements ab € 700 für 30 m2), Eigentums“Rondos“ mit „Blick in den Grünen Prater“ (Quadratmeterkaufpreis ab € 6.000) und frei finanzierte Mietwohnungen (ab 16€ /m2). Der Zuzug von ca. 5.000 Menschen im „Viertel Zwei“ mit voraussichtlich doppelt so vielen privaten KFZ erhöht den Nutzungsdruck auf den Prater und schafft zusätzliche ökologische Belastungen durch den MIV (mobilen Individualverkehr), inkl. Verbreiterung und Neuschaffung von Straßen rund um das „Viertel Zwei“, wobei zu befürchten ist: langfristig auch durch den Prater.

Auf die Einhaltung von Freiraumkennwerten und geringe Versiegelungsanteile durch Begrünung zwischen den Bauten wurde nicht - oder nur rudimentär - Rücksicht genommen. Auf dem Stallungsareal der Krieau, das dem Abriss geweiht ist, sind weitere hochpreisige Hochhäuser geplant (der 90 m hohe Wohnblock „Grünblick“, der 120 m hohe Büro/Hotelblock „Weitblick“). Förderung von sozialem Wohnbau ist das nicht! Ökologisch bedeutet das eine weitere Erhöhung des Nutzungsdrucks und der Schadstoffbelastung auf den Prater, mit dessen „Grün“, das vom Steuerzahler/in finanziert wird, nicht nur geworben, sondern überhaupt erst diese hohen Preise erzielt werden können.

Enge und teure Bebauung ist zu befürchten

Anlässlich des Verkaufs der gesamten Trabrennbahn Krieau an die „Viertel Zwei Projektentwicklungs GmbH“ und deren bisher umgesetzten Bauvorhaben, ist zu befürchten, dass à la lounge auch auf dem derzeit noch aktiven Trabrennvereinsgebiet alles eng und hochpreisig verbaut werden wird. Ökologisch und sozial wäre das eine Katastrophe, die es politisch zu verhindern gilt!


Symbolbild: Weitere Hochhäuser in der Krieau am Rande des Grünen Praters

Dem Wiener Trabrennverein (WTV) geht es finanziell schlecht. Die Tage des Trabrennsports in der Krieau sind gezählt. Auch wenn das Areal als Sportstätte gewidmet und durch das Wiener Sportstättenschutzgesetz derzeit noch abgesichert ist, kann ein Antrag auf Auflassung von der MA 51 (Sportamt) positiv beschieden werden, wenn der Antragsteller die Schaffung einer gleichwertigen Ersatzsportstätte nachweist. Die Freudenau oder Ebreichsdorf bieten sich hier z.B. an. Nur der politische Wille kann das verhindern. Bisher haben sich weder die „roten“ Wohnbaustadträte noch die „grüne“ Stadtplanung dafür eingesetzt, ganz im Gegenteil.

Man bekommt vielmehr den Eindruck, dass es sich bei der vielgepriesenen, grün-roten „ökologischen Verantwortung und sozialen Integration“ um eine glatte Lüge handelt.

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