Aus dem Würgegriff der Nuklearprofiteure können wir uns nur durch Proteste befreien

Donnerstag 17. März 2011, von Nikolaus Lackner

Die Situation in Japan wird stündlich schlimmer. Die Atomlobby, die Europa fest im Griff hat, versucht mit Alibiaktionen wie in Deutschland zu retten was zu retten ist. Plötzlich können 7 Reaktoren innerhalb eines Tages vom Netz genommen werden, ohne Stromausfälle und Produktionsstopps in der Industrie.

In diesen Tagen kommen meine Erinnerungen an den April 1986 wieder hoch. Als Bub war ich damals in einem Internat in den idyllischen Bergen Salzburgs. Wir sahen diese wunderschöne Landschaft für Wochen nur durch die hohen, doppelten Flügelfenster, in deren Zwischenräumen nasse Fetzen lagen und die mit Klebeband abgeklebt worden waren. Wir hatten Angst, unsere Lehrer hatten Angst. Genau über den Gebieten rund um die Berge, an denen sich die Wolken stauten und abregneten, kamen Spitzenwerte an Radioaktivität zusammen.

Und wir, Österreichs BürgerInnen, auf unserer Insel der Seligen zogen es fortan vor, im Inneren einen „gesamtgesellschaftlichen Atomkonsens“ zu beweihräuchern, während wir gleichzeitig vor allem durch brave Beitragsleistung innerhalb des EURATOM Vertrages auffielen. Vor ein paar Tagen fanden sich nicht einmal hunderttausend Österreicher, die für einen Ausstieg aus diesem unterzeichneten. Gestern fanden sich einige von uns vor dem Haus der EU in Österreich ein, um auf die Verflechtung zwischen EU und Atomlobby hinzuweisen und für eine sofortige Abschaltung aller AKWs in der Union zu protestieren.

Atomkraftfreies Österreich? Mitnichten!

Heute Vormittag hielt übrigens Gregor Gysi eine Rede im deutschen Parlament, in der er Österreich als gutes Beispiel nannte, weil wir in der Verfassung verankert haben dass unser Land „Atomkraftfrei“ ist.

Doch sind wir das wirklich? Wir importieren in großem Stil Atomstrom aus dem Ausland. Genau aus den Ländern um uns herum, deren AKW´s von Zeit zu Zeit halbherzig in Krone - Kampagnen angeprangert werden. Österreich geht sogar noch weiter: wenn in der Nacht die Atommultis ihren Strom fast verschenken, weil er nicht verbraucht wird, laufen in unseren Speicherkraftwerken in den Bergen die Pumpen an: Millionen Liter Wasser werden hunderte Meter nach oben verlagert. Tagsüber produziert man dann daraus „Ökostrom“ aus Wasserkraft und verkauft diesen teuer an die grünbewegten Bobos in den Städten.

Das alles ist bekannt, wird aber scheinheilig übersehen, im Interesse des Profits. Die Atomlobby hat Europa, und damit auch uns fest im Griff.

Der Kampf für eine gestaltbare Zukunft hat bereits begonnen

Wir Bürger und Bürgerinnen dürfen uns nicht blenden lassen und wir sollten auch weiterhin Druck auf die Verantwortlichen ausüben, endlich aus dieser todbringenden AKW-Technologie auszusteigen.

Fordern wir die EU auf, endlich von ihrer bürgerfernen Rolle als Erfüllungsgehilfe der Nuklearindustrie abzurücken. Die zu erwartenden Massenproteste in den nächsten Wochen und Monaten werden wir KommunistInnen mit aller Kraft unterstützen. Denn nicht nur Solidarität mit den Opfern der sich gerade abspielenden Katastrophe in Asien ist ein Gebot der Stunde.

Wir müssen auch solidarisch sein mit unseren Kindern und Kindeskindern. Und diese Solidarität kann sich nur in einem Protest äußern, der über alle Staats- und Parteigrenzen hinweg geht, genau wie es die Kapitalströme und Falloutwolken tun.

Abermals, wie vor einer Generation, werden wir den Kampf gegen die Menschenverachter und Nuklearkapitalisten aufnehmen müssen, und diesmal lassen wir uns nicht mit irgendwelchen Konsensen und Szenarien abspeisen. Das Ziel dieses kommenden Kampfes kann nur eines sein: Sofortiges Abschalten. Denn die Zukunft, die wir gestalten wollen, ist in Gefahr.

Nikolaus Lackner