100 Jahre Internationaler Frauentag

100 Jahre Kampf für die Rechte der Frau und den Frieden

Dienstag 8. März 2011, von Irma Schwager

Der Internationale Frauentag ist ein Stück Geschichte der internationalen Frauen- und der Arbeiterinnenbewegung. Es konnten Fortschritte durchgesetzt werden, es gab aber auch Rückschläge im Kampf um die Frauenrechte, insbesondere in der Nazizeit. Heute muss der Widerstand gegen die Unterlaufung errungener Rechte gestärkt und Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, die es den Frauen ermöglichen, gleiche Rechte, existenzsichernde Arbeit und Aufstiegschancen wahrzunehmen und ihren Kindern Einrichtungen für qualifizierte Betreuung, Bildung und eine gute Zukunft zu bieten.

Von selbst hat sich nie etwa zum Besseren verändert. Nur sehr langsam konnten Fortschritte durchgesetzt werden. Um nur ein Beispiel anzuführen: 1956 hat sich Nationalrat Johann Koplenig (KPÖ) im Parlament für die Reform des längst veralteten, aus der Postkutschenzeit stammenden Ehe- und Familienrechts und gegen den „Klassenparagraphen 144“ eingesetzt – fast 19 Jahre hat es gedauert, bis diese Gesetze modernisiert und die Vorschläge des Bundes Demokratischer Frauen (BDFÖ) sowie anderer Frauenorganisationen durchgesetzt wurden. Der zentrale Gedanke des Internationalen Frauentages ist, dass die Frauen sich selbst und möglichst organisiert für ihre Forderungen einsetzen müssen, um etwas zu erreichen.

Jahrzehntelang haben die österreichischen Massenmedien den Internationalen Frauentag ignoriert. Das hat sich gründlich verändert. Rund um den 8. März berichten fast alle Zeitungen, Radio und Fernsehen über den Frauentag, es sprechen Politikerinnen aller Parteien über die Fragen, die besonders Frauen betreffen. Von allen Seiten wird betont, wie wichtig es ist, bestehende Benachteiligungen zu überwinden. Demonstrationen, Protestaktionen und Veranstaltungen von Millionen Frauen in aller Welt haben viel dazu beigetragen, dass Frauenbewusstsein und Frauenbewegung in allen Kontinenten so stark geworden sind, dass die bestehenden Probleme nicht mehr totgeschwiegen werden können. Schon immer in der Geschichte haben Frauen gegen Unterdrückung und Ausbeutung, gegen Krieg und Militarismus gekämpft. In der Friedensbewegung und in den Befreiungsbewegungen spielen sie eine wichtige Rolle. In der Bewegung für die Erhaltung einer gesunden Umwelt sind sie häufig mehrheitlich vertreten. Der Internationale Frauentag hat wesentlich mitgewirkt, diese fortschrittlichen Bewegungen zu stärken. Selbst in den furchtbaren Zeiten des Nazifaschismus wurde in den Konzentrationslagern und Gefängnissen des Internationalen Frauentages gedacht, manchmal mit einem kurzen Gespräch, einem Stück eines roten Tuches auf dem Tisch oder Bruchstücken von Liedern, die gesummt wurden. 1/

Die historischen Wurzeln des Internationalen Frauentags liegen in den Kämpfen des 19. Jahrhunderts, ausgehend von den USA. 1857 protestierten in New York Arbeiterinnen gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen und für bessere Löhne. Die Polizei zögerte nicht, in die Menge zu schießen. Im März 1918 demonstrierten in New York Tabak- und Textilarbeiterinnen für das Frauenwahlrecht, höhere Löhne, kürzere Arbeitszeit und bessere Arbeitsbedingungen. Daran anknüpfend hielten US-amerikanische Sozialistinnen einen Propagandatag für Frauenwahlrecht und Sozialismus ab. Am 20. Februar 1909 fand der erste nationale Frauentag statt. Ein achtwöchiger Streik von 20.000 Hemdennäherinnen in Manhattan sorgt im gleichen Jahr für internationales Aufsehen. August Bebel, Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie, schrieb 1910 in einer Grußadresse: „Ohne die volle Gleichberechtigung der Geschlechter ist höchstmenschliche Freiheit und Kultur unmöglich.“ 2/

In Österreich demonstrierten 1866 Tausende für ein Vereins- und Versammlungsrecht. „Frauenpersonen“ war behördlich die Mitgliedschaft in politischen Vereinen durch den § 30 im Vereinsgesetz verboten. 1893 wurde der erste größere Frauenstreik in Wien unter der Führung von Ryba Seidel erfolgreich durchgeführt. Die wachsende Arbeitslosigkeit in den 1890er Jahren führte zu den ersten Arbeiterinnenversammlungen, in denen Frauen als Rednerinnen auftraten. Von der Polizei wurden sie mit Gefängnisstrafen bedroht und als „liederliche Dirnen“ bezeichnet. 1899 traten am 12. Mai 1.200 österreichische TextilarbeiterInnen, darunter 60 Prozent Frauen und Mädchen, zur Durchsetzung des 10-Stundentages in den Streik. 3/ Mit der ArbeiterInnenbewegung wuchs auch die bürgerliche Frauenbewegung. Auf der Generalversammlung des Wiener Erwerbsvereins im Jahre 1870 legte Marianne Hainisch das Programm bürgerlicher Frauenvereine vor. Auguste Fickert gründete in Wien den „Allgemeinen Österreichischen Frauenverein“. Sie forderte das Recht auf Bildung, Zugang zu allen Berufen und zu den Universitäten und das Wahlrecht. 1900 wurden die medizinischen Fakultäten an den Universitäten für Frauen geöffnet, 1918 wurde das Wahlrecht in Österreich durchgesetzt. Es war ein hartes Ringen gegen tiefverwurzelte Vorurteile, Traditionen und Widerstände nicht nur von Seiten der Kirche und des Bürgertums sondern auch in der Arbeiterbewegung. So forderten 1895 auf der niederösterreichischen Gewerkschaftskonferenz die Delegierten die Entfernung der Frauen aus dem Arbeitsprozess, weil sie die Lohndrückerinnen seien und die Arbeitsplätze gefährdeten.

Beim Einigungsparteitag der österreichischen Sozialdemokratie (3.12.1888 bis 1.1.1889) in Hainfeld wurden in einer Prinzipienerklärung die Einheit der österreichischen Arbeiterbewegung und die gleichberechtigte Mitarbeit von Frauen festgelegt. Allerdings wurde Anna Altmann, die einzig delegierte Frau, zum Parteitag nicht zugelassen. Beim Gründungskongress der Zweiten Internationale in Paris beantragten Emma Ihrer und Clara Zetkin die Gleichberechtigung der Frau in der Arbeiterbewegung und im Arbeitsleben. Was längst geklärt schien, stand Anfang des 20. Jahrhunderts in den sozialistischen Parteien wieder zur Debatte: Voraussetzungen, Ziele und Wege der Frauenemanzipation. Den Auftakt in der SPD bildete 1905 Edmund Fischers Artikel über die Frauenfrage: „Der alte Emanzipationsstandpunkt, der immer noch in vielen Köpfen spukt, lässt sich meiner Ansicht nach heute nicht mehr aufrecht erhalten [...]. Die sogenannte Frauenemanzipation widerstrebt der weiblichen und der menschlichen Natur überhaupt, ist Unnatur und daher undurchführbar.“

1910 wurde auf der 2. Internationalen sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen auf Initiative von Clara Zetkin, Käthe Duncker und Genossinnen (u.a. die Österreicherin Luise Zierz) beschlossen, an einem bestimmten Tag im März in allen Ländern einen internationalen Frauentag abzuhalten. Ihr Antrag lautete: „Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht gilt. Die Forderung muss in ihrem Zusammenhang mit der ganzen Frauenfrage der sozialistischen Auffassung gemäß beleuchtet werden. Der Frauentag muss einen internationalen Charakter tragen und ist sorgfältig vorzubereiten.“ 4/ Clara Zetkin war auf der 1. sozialistischen Frauenkonferenz 1906 in Stuttgart zur internationalen Frauensekretärin gewählt worden und war Chefredakteurin der wichtigen Frauenzeitung „Gleichheit“. Diese hervorragende Frau kämpfte ihr ganzes Leben für die Rechte der ArbeiterInnenklasse und insbesondere für die Rechte der Frauen. Aus eigener Erfahrung kannte sie nur zu gut das schwere Leben der Frauen. Sie war Alleinerzieherin von zwei Kindern und hatte mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Als Alternativpräsidentin hat sie es sich nicht nehmen lassen, trotz schwerer Krankheit und Morddrohungen 1933 den Deutschen Reichstag zu eröffnen. Vor den vielen Naziabgeordneten in Uniform hielt sie eine bedeutende Rede und warnte eindringlich vor den verheerenden Folgen von Faschismus und Krieg. In der „Gleichheit“ analysierte sie die Ursachen von Kriegen und zeigte auf, wer die Profiteure und wer die Verlierer von Kriegen sind. Der Beschluss, alljährlich einen Internationalen Frauentag durchzuführen, wurde von den österreichischen Delegierten mit großer Begeisterung aufgenommen. Neben Deutschland, der Schweiz, Dänemark und den USA gehörte Österreich zu den ersten Ländern, die schon am 19. März 1911 den Internationalen Frauentag eindrucksvoll begingen. „Die Versammlungen und Gewerkschaftslokale sind in Wien derart überfüllt, dass Kundgebungen auf die Straße verlegt werden – 20.000 Frauen demonstrieren über die Wiener Ringstraße“.5/ In Erinnerung an dem Streik der Textilarbeiterinnen am März 1917 in Petrograd (23. Februar nach dem russischen Kalender), der Auslöser der „Februarrevolution“ war, wurde 1921 der 8. März als einheitliches Datum für den Internationalen Frauentag festgesetzt.

Zum 50-jährigen Jubiläum des Frauentagsbeschlusses im Jahr 1960 in Kopenhagen sprach Anna Hornik, vormals Strömer – Präsidentin der Wiener Organisation des Bundes Demokratischer Frauen Österreichs – von ihren Erinnerungen an den ersten sozialistischen Frauentag in Wien: „Erstaunt lasen Passanten die Parolen auf den Tafeln, welche die Frauen mit sich trugen: Wir fordern das Frauenwahlrecht, gleiche politische Rechte für Frauen, Frauen und Mütter kämpfen für den Frieden. Manche dumme geistlose Witze wurden den Frauen zugerufen, die ihnen sofort schlagfertig parierten. Die Spießer konnten es nicht verstehen, dass Frauen, noch dazu Arbeiterfrauen auf die Straße zogen wie Männer, um für politische Forderungen zu demonstrieren. Sie witzelten und spöttelten, und manche waren ehrlich entrüstet über die ´politischen Weiber´.“ Anna Hornik erzählte vom Engagement der demonstrierenden Frauen: „Immer leidenschaftlicher erscholl ihr Ruf nach Frieden, denn der Erste Weltkrieg warf seine Schatten drohend voraus. Und selbst als der Krieg dann wirklich ausbrach konnte er die Aktivität der Frauen nicht eindämmen. Bereits 1916 wurden in Österreich wieder Frauenversammlungen abgehalten, allerdings hinter verschlossenen Türen. Aber der Ruf der Frauen nach Frieden drang aus den verschlossenen Räumen hinaus und fand Widerhall in der gesamten Bewegung.“ 6/

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten die kämpferischen Traditionen des Internationalen Frauentages wieder auf. In Paris wurde Ende 1945 die Internationale Demokratische Frauenföderation (IDFF) gegründet. Sie vereinte Frauen aus 41 Ländern ohne Unterschied der Rasse, Religion und politischer Weltanschauung. Gemeinsam wollten sie nach dem furchtbaren Zweiten Weltkrieg und der Hölle des Faschismus für die Sicherung des Friedens, für Demokratie und die Rechte der Frauen und Kinder kämpfen. Sie wollten ein festes Band der Solidarität zwischen den Frauen aller Länder knüpfen. Der Bund Demokratischer Frauen Österreichs wurde 1948 Mitglied dieser weltumspannenden Frauenorganisation und hat an vielen Friedens- und Solidaritätsaktionen mitgewirkt. Angela Davis und viele Frauen aus den Gefängnissen Lateinamerikas, des Iran und Europas konnten so gerettet werden und haben nach ihrer Freilassung von der Wirksamkeit des internationalen Frauenprotestes erzählt. Es fanden internationale Konferenzen der IDFF auch in Wien und Salzburg statt. Unter anderem wurde im April 1952 in Wien die „Konferenz zum Schutz des Kindes“ abgehalten. 500 Frauen aus 64 Ländern berichteten vom erschreckenden Ausmaß der Ausbeutung von Kindern in aller Welt. Von den im Elend lebenden Bauern, die ihre Töchter verkaufen; von 6jährigen Kindern, die ganztägig arbeiten und mit ein paar Bananen mittags auskommen müssen; von Kindern in den damals noch von Kolonialmächten besetzten Gebieten, die für eine Handvoll Reis auf Feldern und Baustellen arbeiten müssen; von der Teppichindustrie, wo Kinder in einem 12-Stundentag herrliche Teppiche für einen Bettellohn knüpfen … Der Internationale Frauentag hat viel dazu beigetragen, das die Fakten bekannt wurden und der Kampf um Kinderrechte verstärkt wurde. Dieser Kampf muss auch heute noch auf der ganzen Welt geführt werden.

Jahrzehntelang wurde der Internationale Frauentag nur vom Bund Demokratischer Frauen, von KommunistInnen, GewerkschafterInnen und SozialdemokratInnen begangen. „In der SPÖ gab es 1950 Überlegungen, ob man den Frauentag mit dem Muttertag zusammenlegen solle bzw. ihn in den Herbst verlegen solle, damit er nicht in zeitlicher Konkurrenz zum wichtigen Feiertag, dem Ersten Mai, stehe. Teilweise wurde erwogen, den Frauentag gänzlich aufzugeben. In der Diskussion wurde befürchtet, „dass wir den Frauentag ganz der KPÖ überlassen [...]. Die Abgrenzungspolitik der SPÖ gegenüber kommunistischen Parteien und ihren AnhängerInnen war ein leitendes Motiv und diente der Schärfung des eigenen Profils, was durch den Antikommunismus in den Jahren des Kalten Krieges noch verstärkt wurde.“ 7/ Mit der neuen Frauenbewegung, die vor allem die Fragen der Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs und der Gewalt gegen Frauen in den Mittelpunkt stellte, gelang es, gemeinsame Aktionen mit vorwiegend jungen Frauen durchzuführen. So fand z.B. 1974 eine große Demonstration auf der Ringstraße gegen den § 144 statt, bei der anschließend eine Delegation beim damaligen Justizminister Christan Broda vorsprach.

1975 proklamierte die UNO das „Jahr der Frau“, und der 8. März wurde als Internationaler Frauentag gewürdigt. Im selben Jahr wurde auch der erste ausführliche Bericht über die Lage der Frauen in Österreich zusammengestellt. Es folgte die „Dekade der Frauen“ mit dem Motto „Gleichberechtigung – Entwicklung – Frieden“. Eindrucksvolle internationale Konferenzen wurden in Mexiko (1976), Kopenhagen (1980), Nairobi (1985) und Peking (1995) abgehalten. Regierungsdelegationen und NGOs analysierten, berichteten und diskutierten über die Probleme der Frauen in den verschiedenen Ländern, über Bildung, Beschäftigung und Gesundheit. Aktionspläne wurden erarbeitet. Das erhöhte die Aufmerksamkeit für Frauenforderungen und stärkte das Auftreten der Frauen in ihren Ländern über Parteigrenzen hinweg. Erst 1980 gelang es in Wien, eine gemeinsame Aktion zum Internationalen Frauentag zu organisieren. Im „Aktionskomitee 8. März“ waren Vertreterinnen des Frauenreferats der Hochschülerschaft, des Bundes Demokratischer Frauen, der katholischen und evangelischen Frauenbewegung ebenso wie Kommunistinnen, junge Sozialistinnen und Vertreterinnen der autonomen Frauenbewegung aktiv. Es wurde eine große Demonstration auf der Mariahilfer Straße, an der etwa 1.000 Frauen teilnahmen. Im Aktionskomitee gab es Diskussionen und Auseinandersetzungen, z.B. zum Schwangerschaftsabbruch. Die Katholikinnen wollten die Forderung nach Abschaffung des § 144 vermeiden. Man einigte sich auf die Losung: „Kinder oder keine entscheiden wir alleine!“. Die Vertreterinnen des BDFÖ wollten auf die Frage der Sicherung des Friedens durch Abrüstung nicht verzichten, während die Autonomen meinten, Frieden sei keine Frauenfrage. Eine heftige Auseinandersetzung gab es auch zu der Frage, ob Männer an der Demonstration teilnehmen dürfen. Schließlich wurde beschlossen, eine reine Frauendemonstration durchzuführen. Das Bemühen trotz verschiedener Meinungen, für gemeinsame Interessen gemeinsam zu kämpfen, war und ist nicht leicht, aber die Voraussetzung dafür, sich durchzusetzen und Fortschritte erzielen zu können.

Mit der Politikerin Johanna Dohnal und der Gewerkschafterin Irmgard Schmidtleitner begann die Abgrenzungspolitik der SPÖ zu bröckeln. Offene Frauentagsveranstaltungen fanden auch im Rathaus und im Parlament statt, Frauenenqueten unter Teilnahme unterschiedlicher parteipolitischer Richtungen zeigten die bestehenden Benachteiligungen der Frauen auf. 1997 wurde ein Volksbegehren von 645.000 Unterschriften unterstützt, das in elf Punkten für die verfassungsmäßige Verankerung der gleichen Rechte als Grundlage zum Abbau der Benachteiligung von Frauen eintrat. 8/ 1998 hielt die Journalistin Elfriede Hammerl zum Internationalen Frauentag bei einer Kundgebung vor dem Parlament eine Rede zu einer Budgetvorstellung der Frauen, die von 41 Frauenorganisationen- und Zeitungen unterstützt wurde. Sie rief die Abgeordneten auf: „Nehmen Sie die Forderungen der Frauen ernst und realisieren sie die Forderungen des Frauenvolksbegehrens, realisieren sie sie jetzt. 2500 Steuerpflichtige in Österreich sind unermesslich reich, während zahlreiche Frauen von ihrer Ganztagsarbeit nicht einmal notdürftig ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Machen sie Schluss mit dieser schreienden Ungerechtigkeit!“ Am Internationalen Frauentag 2001 formulierte ein feministischer Widerstandskongress eine Budgetalternative. Im Schlusssatz heißt es: „Statt Neoliberalismus schlicht als gegeben hinzunehmen, wollen wir in der Gesellschaftspolitik eine neue Option für Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung öffnen.“ 9/ Der Frauenbericht 2010 zeigt u.a., wie aktuell diese Aufforderung an die Abgeordneten und an die Regierung heute noch ist, und dass das viel benutzte Wort von der Gerechtigkeit nur wenig mit der aktuellen Politik zu tun hat. Ein Drittel weniger Lohn, dann nur die Hälfte der Pension; immer mehr Teilzeit- und ungeschützte Arbeitsverhältnisse, die nicht Existenz sichernd sind; viel zu wenig qualifizierte Kinderbetreuungseinrichtungen; ein nicht endender Streit um eine moderne Gesamtschule im Ganztagsbetrieb, das Festhalten der ÖVP am Gymnasium und damit an der Trennung der 10-jährigen Kinder in Haupt- und Mittelschüler, obwohl alle ExpertInnen der Meinung sind, dass dies viel zu früh sei und erst mit 14 Jahren entschieden werden könne, wofür ein Kind sich eignet. Bei diesem längst überholten System kann von Chancengleichheit keine Rede sein; und es gibt viele andere Benachteiligungen im Sozial- und Gesundheitsbereich; die viel zu keine Präsenz von Frauen in Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft: All dies zeigt, wie aktuell der Internationale Frauentag als Kampftag der Frau ist.

Zur Erinnerung an den ersten Internationalen Frauentag in Wien hat eine überparteiliche Frauenplattform zu einer großen Demonstration am 19. März 2011 aufgerufen. Im Aufruf heißt es: „Frauen, gemeinsam verändern wir die Welt und uns selbst!“

Unsere Welt braucht die aktive Teilnahme der Frauen, die internationale Solidarität, um grundlegende Veränderungen und ein menschenwürdiges Leben in Frieden durchzusetzen.

Hoch der Internationale Frauentag!

Anmerkungen: 1/ Renate Wurms: Geschichte des Internationalen Frauentages, in: Volksstimme, 5.3.1998. 2/ Zit. nach: Deutscher Frauenrat, Newsletter 1/2010. 3/ Volksstimme, 5.3.1998. 4/ Zit. nach: Renate Wurms: Wir wollen Freiheit, Frieden, Recht. Frankfurt/M. 1980, S. 6. 5/ Volksstimme, 5.3.1998. 6/ Anna Hornik, in: Stimme der Frau, Wien 1960. 7/ Heidi Niederkofler: Mehrheit verpflichtet! Frauenorganisationen der politischen Parteien in Österreich in der Nachkriegszeit. Wien: Löcker 2009, S. 123 und 125. 8/ Die Arbeit, Nr. 1/1997, S. 20. 9/ Die Arbeit, Nr. 3/2001, S. 4.

Dieser Beitrag wurde übernommen aus: Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft, Nr. 1/2011