Werkl im Goethehof - Kulturelle Freiräume

Dienstag 19. Februar 2013, von Patrick Kaiser


„Eine der beliebtesten Kleinkunstbühnen Wiens, das Kaisermühlner Werkl, hat mit seiner finanziellen Situation zu kämpfen. Der Vormieter hat sich zurückgezogen, um sich fortan als Liedermacher zu versuchen. Schon zuvor kam das wirtschaftliche Engagement etwas zu kurz, weswegen das „Werkl“, wie es liebevoll genannt wird, kurz vor dem Aus stand…“ informierte die Bezirkszeitung am 10. 11. 2010 in einem Artikel über das Bemühen, den Bühnenbetrieb mit Unterstüzung zahlreicher Kulturschaffender fortzuführen.

Ben Turecek, Schauspieler und Kabarettist: „Wenn du in eine Kleinbühne in einem Innenstadtbezirk willst, dabei drei Mal umsteigen und danach 10 Minuten zu Fuß gehen musst, um endlich in einer kleinen Seitengasse zu landen, scheint das für viele WienerInnen ein kleineres Problem zu sein, als mit der U1 bis zur Station Uno-City zu fahren und dann 100 Meter bis zur Schüttaustraße 1 zu gehen. Das ist bei allen kulturellen Initiativen in Transdanubien so. Da glauben die Leute wohl, sie müssten so etwas erst in einem Reisebüro buchen und dabei den Pass nicht vergessen…“ Inzwischen haben sich in den Räumlichkeiten einige überparteiliche Initiativen wie „Poldi“ und die MieterInnen-Initiative einquartiert, denen sie den Namen „Sichelschmiede 2.22 - Kultur, Beratung, Solidarität“ gaben.

Nun traf sich eine Gruppe von Kulturbesessenen, um dem „Freiraum Kultur“ konkrete Inhalte zu geben und - wie in Österreich dazu immer notwendig - einen Verein zu gründen. Ideen gibt es viele: Von der Vorstellung neuer AutorInnen (aber ebenso „vergessenen“ DichterInnen oder Slam-Poetry, LiedermacherInnen), Lesetheateraufführungen bis zur Geschichtswerkstatt.

Auf der kleinen Bühne ist derzeit eine Tafel einer neunteiligen Serie, die seinerzeit der Künstler Helmut Kurz-Goldenstein gemeinsam mit Magdalena Steiner zum Spanischen Bürgerkrieg schuf. Das „schreit“ geradezu nach Ausstellungen. Zum Beispiel Werke von Magdalena Steiner oder (Foto-) Grafiken ihres Sohnes David… Aber PensionistInnen sollen sich dort genau so wohl fühlen können wie Kinder und Jugendliche, sagt noch eine der Aktivistinnen.

Da gibt es fünf Minuten zu Fuß von der U1 UNO-City entfernt eine der schönsten Kleinbühnen Wiens, die nur mehr darauf wartet, mit Programmen „gefüllt“ zu werden. Im Untertitel „Kulturelle Freiräume“, der jedoch nicht im Sinne „für alles offen“ gemeint ist, denn bekanntlich „ganz offen“ nicht „ganz dicht“. Frei - aber nicht frei für Rassismen, Sexismen, Ausländerfeindlichkeit und Faschistoidem. Doch das soll sowieso selbstverständlich sein, für eine Initiative, zu deren Prinzipien SOLIDARITÄT gehört. Ideen und Vorschläge für die Programmgestaltung werden noch gerne per e-mail angenommen.