Linkes Zentrum für Solidarität im Goethehof eröffnet

Rede von KPÖ-Bezirksrat Josef Iraschko

Sonntag 3. Juni 2012, von Josef Iraschko, Bezirksrat für Wien Anders, KPÖ und PolDi

In Abwandlung eines bekannten und oft zitierten Brechtzitates, möchte ich angesichts der heutigen Eröffnungsfeier, für deren Zustandgekommen in relativ kurzer Zeit sehr viele Mühen aufgewendet werden mussten, sagen: die Mühen der Ebenen haben wir mit dieser Eröffnung hinter uns, jetzt aber kommen die Mühen der Berge, und die werden um einiges anstrengender sein, wenn wir die Zielsetzung ernst nehmen wollen, hier ein lebendiges, fortschrittliches Kultur-, Beratungs- und Solidaritätszentrum aufzubauen.

Vielen Dank an alle, die sich diesen wahrlich nicht geringen Mühen der Ebene unterzogen haben und das heutige Fest nicht nur organisiert haben, sondern ein vollkommen heruntergekommenes Lokal zumindest teilweise wieder auf Glanz gebracht haben. Die Beratungsebene erfolgt erst in den nächsten Wochen.

Als KPÖ-Bezirksrat möchte ich schon betonen: Endlich haben die LeopoldstädterInnen wieder ein eigenes Lokal, auch wenn es faktisch im "Bezirksausland" und noch dazu über der Donau liegt. Aber wenn man sich das hier so ansieht, dann könnte und sollte daraus für die gesamte KPÖ-Wien und nicht nur für uns Leopold- und Donaustädter ein wichtiger Bezugspunkt entstehen.

Natürlich ist es richtig, sich als Bezirksgruppe möglichst viel im eigenen Bezirk zu bewegen, was wir auch bisher relativ intensiv gemacht haben und auch weiterhin tun werden. Es ist verständlich, dass einige Genossinnen und Genossen und auch von den PolDis diesem CIS-Danubischen-Projekt aus LeopoldstädterInnen-Sicht sehr skeptisch bis ablehnend gegenüber stehen. Nur, besonders an die GenossInnen und Genossen gewandt: so wie wir unsere Wiener Partei als Gesamtprojekt sehen sollten, so soll und kann unsere Grenze nicht der Zweite Bezirk sein.

Dieses Projekt Goethehof, seinen neuen Namen wird es hoffentlich heute mit eurer Hilfe bekommen, soll weit über unsere Bezirksgrenzen hinaus auf die gesamte KPÖ-Wien und darüber hinaus, auf die gesamte demokratische, emanzipatorische Linke ausstrahlen.

Der Untertitel liegt bereits fest: eine Stätte für Beratung, Kultur, Solidarität und das ist auch die Richtung, in die wir uns bewegen wollen. Und ich hoffe, dass uns auf diesem Weg viele bisherigen Genossinnen und Genossen und auch unsere PolDi-Gruppe begleiten werden.

Die Grundlage für konkrete Beratungstätigkeit ist bereits gegeben: ab Mitte Juli übersiedelt das seit langen bestehende Mieterstelbsthilfezentrum der KPÖ-Wien von der Liechtensteinstraße hierher und auch in der schon bisher bestehenden Bürogemeinschaft die parteiunabhängige MieterInnen-Initiative. Wir haben uns seit vielen Jahren in ganz Wien durch unsere fachliche Beratungstätigkeit einen für die ratsuchenden MieterInnen sehr guten und für unsere Gegner aus der Immobilienbranche einen äußerst gefürchteten Ruf erkämpft. Vielen MieterInnen konnte seit über 15 Jahren kompetent und kompromisslos geholfen werden, oft konnten bereits verloren geglaubte Wohnungen gerettet werden und viele Verwaltungen und EigentümerInnen haben sich an uns die Zähne ausgebissen.

Und das soll auch weiter und verstärkt so sein. Die KPÖ-Wien hat bisher trotz großer finanzieller Schwierigkeiten dieses wohnpolitische Projekt finanziell gestützt und wird es auch weiterhin tun. Darüber hinaus ist es aber auch durch die Gründung des Vereins MieterInnen-Initiative gelungen, eine weit über die KPÖ hinausgehende parteiübergreifende Plattform zu schaffen. Aber dazu wird die Obfrau des Vereins, Doris Schlager, einige Ausführungen machen.

Der zweite Bereich, der hier in Anlehnung an die bisherige Wirkungsstätte als Kulturraum zum Tragen kommen, und der möglichst vielen Kulturinitiativen zur Verfügung stehen soll, ist der Aufbau eines kulturellen Stützpunktes sowohl der Partei als auch aller Kräfte, die Kultur und Kleinkunst in einem emanzipatorischen und demokratischen Rahmen verwirklichen wollen. Das ist ein äußerst schwieriges Projekt, aber die bisherigen Gespräche und Kontakte geben zu großem Optimismus Anlass. Wir laden auch alle hier Anwesenden ein, Vorschläge einzubringen und Kontakte zu vermitteln. Wir wollen ein parteiübergreifendes Kulturprojekt verwirklichen. Dazu ist bereits eine Initiative für einen Verein im Gange, der aus möglichst vielen sowohl materiell als auch ideell unterstützenden Mitgliedern anwachsen und sich einen guten Namen für fortschrittliche linke Kultur machen soll. Es liegen hier auch Listen auf, in denen ihr euch eintragen könnt, entweder nur als BezieherInnen des laufenden Programms, als auch als Mitglieder für ein reges Vereinsleben und natürlich auch als materielle UnterstützerInnen durch Mitgliedsbeiträge und großzügige Spenden, denn nur so können wir inhaltlich autonom bleiben und brauchen uns nicht unter irgendwelche SubventionsgeberInnen kuschen.

Was ein emanzipatorischer und solidarischer Raum sein soll, bzw. sein wird, dass wollen wir mit möglichst vielen Menschen diskutieren. Klar ist aber sicherlich, dass wir RassistInnen, AntisemitInnen, rechten HetzerInnen, Frauenverächtern, AusbeuterInnen und UnterdrückerInnen hier in diesem Räumen nicht sehen wollen und wir werden ihnen auch nicht Raum geben.

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Eröffnung im Goethehof
v.l.n.r.: Didi Zach (Landessprecher KPÖ Wien), Josef Iraschko (KPÖ Bezirksrat Leopoldstadt), Irma Schwager, Doris Nussbaumer, Melina Klaus

Abschließend:
Unsere Genossin Irma Schwager, Antifaschistin und Widerstandkämpferin feierte gestern ihren 92. Geburtstag. Ebenso möchte ich unserer ehemaligen Bundessprecherin Melina Klaus zu ihrem gestrigen Geburtstag noch einmal alles Gute wünschen. Sie gehört auch zur Leopoldstadt und ist uns hoffentlich bald eine große Stütze.

Ansonsten bleibt mir nur noch zu sagen: gute Unterhaltung!

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