Doris Schlager - Eine persönliche Erinnerung an eine streitbare Genossin

Am 23. März 2026 wäre Doris Schlager 65 Jahre alt geworden. Vieles, was ich über die Partei, über Kommunismus und über Feminismus weiß, verdanke ich den Gesprächen mit ihr. Wer spontan Genoss:innen treffen wollte, kam meist ins Cafe Siebenstern. Dort arbeitete Doris und sie hatte immer Zeit, mit den Gästen an der Bar politische Diskussionen zu führen. Dabei war ihr immer auch wichtig, das zu leben, was gepredigt wurde: Kein Bacardi, sondern »Havana Club«. Den Windows-PC, der die Musik-Playlist verwaltete, haben wir durch einen Linux-PC ersetzt. Ich erinnere mich an den Song »Moneypenny is a Communist« der Band »Moneypenny's Revenge«.

Und dann konnte es auch schon mal passieren, dass sie einem die ausgedruckte Version von »Lohn, Preis und Profit« in die Hand drückte: »Da, lies das.« Besonders hilfreich waren ihre Einblicke in die Partei und ihre Entwicklung. Die Überwindung des Stalinismus, die Demokratisierung der Partei. Die Überwindung patriarchaler Strukturen. Die feministische Diskussion gegen das »Haupt- vs. Nebenwiderspruch-Denken«.

Oft frage ich mich, wie sie über die heutige Partei denken würde, wo viele der damaligen Erkenntnisse offenbar in Vergessenheit geraten sind oder wo es sogar einen aktiven Backlash dazu gibt.

Ihre Aktivitäten im »Bündnis Bewegung Rotes Wien« kannte ich nur aus ihren Erzählungen, aber Bündnisarbeit und die Offenheit für Nicht-Mitglieder waren ihr ein großes Anliegen. So war sie eine treibende Kraft bei der Gründung der Mieter:innen-Initiative (MI) und bei der Konzeption der PolDi-Gruppe im zweiten Bezirk. Sie hat Politik nicht nur verstanden, sondern sie war immer dabei, sie »Hands-on« zu organisieren.

Wenige Tage vor ihrem Tod habe ich ihr im Spital noch versprochen: »Wir lassen den Kapitalismus nicht gewinnen«. Angesichts des allgemeinen Wahnsinns heute wichtiger denn je. Aber ohne ihre Mithilfe eine deutlich schwerere Aufgabe. Doris, du fehlst!

Franz Schäfer (Mond)