Von Dr. Stefan Ohrhallinger, Verkehrsexperte für "Wien anders"

Vom Stau zum Miteinander im Verkehr

Sonnabend 30. April 2016

„Wien anders“ meint: Alle haben das Recht, schnell und sicher von A nach B zu kommen! Unabhängig von Alter, Kaufkraft und verwendetem Verkehrsmittel.

In der Geschichte der Menschheit hat sich die Wegzeit nicht wesentlich geändert, durch schnellere Verkehrsmittel legen wir nur mehr an Weg zurück. Daher muss zusätzlich die aufgewendete Energie minimiert werden, damit Verkehr ökologischer wird (angenehmer Nebeneffekt: weniger Kosten). Langfristig ist Verkehrsvermeidung eine Aufgabe der Durchmischung in der Stadtplanung, jetzt sofort können wir allerdings den Verkehr verdichten.

Der Verkehrsraum ist eng
Der Verkehrsraum in den dichtbesiedelten inneren Bezirken ist knapp. Wenn er nicht durch dichten Verkehr (siehe Bild) ausgenutzt wird, sind das Ergebnis Staus und Ampelwartezeiten. Wer im Auto sitzt, verschwendet Zeit im Stau und ärgert sich bei den Ampeln. Was oft übersehen wird, ist, dass FußgängerInnen und Radfahrende durch für grüne Wellen geschaltete Ampeln noch weit mehr benachteiligt werden.

Die meistverstauten (und unfallträchtigsten) Straßen in der Leopoldstadt sind: Lasallestraße, Praterstraße, Franzensbrückenstraße und Taborstraße. Sie dienen hauptsächlich dem Durchzugsverkehr zwischen den westlichen Bezirken und Transdanubien, wo der öffentliche Verkehr nicht gemäß der Bevölkerungsentwicklung ausgebaut wurde. Dadurch werden innerbezirkliche Wege stark behindert.

Am Beispiel der Kreuzung U2 Taborstraße kann dies gut beobachtet werden: Hier müssen die Menschenmassen, die aus U-Bahn und Straßenbahn kommen, unerträgliche fast eineinhalb Minuten warten, bis es grün wird, wegen Bevorrangung der Straßenbahn oft noch bis zu 50 Sekunden mehr (Angaben laut MA33). Als Konsequenz queren viele diese Tempo-50-Straße bei Rot.

Durchzugsstraßen als Mobilitätshindernis
Die erwähnten Durchzugsstraßen sind vor allem für Kinder und Ältere ein enormes Mobilitätshindernis. Sie sind nur bei Ampeln querbar, was viele Wartezeiten und Umwege verursacht. Wir setzen uns dafür ein, den für den Bezirk nutzlosen und behindernden Durchzugsverkehr auf die effizienten U- und S-Bahnverbindungen umzulenken.

Temporeduktion: Flüssigerer Verkehr für alle
Kfz-Spitzengeschwindigkeiten von Tempo 50 und darüber werden nur kurz bis zur nächsten roten Ampel erreicht. Durch eine Reduktion auf Tempo 30 werden gleichmäßigere Geschwindigkeiten erreicht, was Kfz und Öffis nicht wesentlich verlangsamt, während das Unfallrisiko stark sinkt. Der Gesamteindruck der Straße wird aber weit ruhiger und es wird dadurch weniger attraktiv, sie schnell zu durchfahren. Die Umwandlung von Kfz-Fahrbahnen in Straßenbahn­linien oder Radwege verdichten den Verkehr und machen ihn ebenfalls flüssiger.

Bessere Nutzbarkeit für öffentlichen Raum
Seit 5 Jahren ist ein zweiter Radweg in der Lasallestraße geplant, als Teil der ersten Radlangstrecke Wiens („Route Nord“). Im März haben wir in der Bezirksvertretung beantragt, dass einer der drei Kfz-Fahrstreifen stadtauswärts durch einen zeitgemäß breiten Zwei-Richtungs-Radweg ersetzt wird. Laut Verkehrszählungen kann dadurch ohne Beeinträchtigung der Kraftfahrzeuge der Radverkehr auf dieser wichtigen Verbindung verflüssigt werden. Der Antrag wurde von der SP abgelehnt, weil dort ausparkende AutofahrerInnen Radfahrende gefährden könnten.

Wir freuen uns, dass sich die SP auch um die Radfahrenden sorgt. Daher werden wir zusätzlich noch beantragen, dass dieser öffentliche Raum, in dem derzeit nur Kfz parken können, multifunktional in Radparkplätze, Bänke und Parklets umgewandelt wird. Damit muss die SP hier zustimmen!

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