Merchandising der Öffentlichkeit - Verdrängung des Politischen
Mittwoch 19. März 2008, von PolDi
Dort, wo der Staat nicht privatisiert, merkantilisiert er, tendiert also zum Merchandising des Öffentlichen, meinte die Kulturwissenschaftlerin Elsbeth Wallnöfer beim 11. Ernst-Mach-Forum am Dienstag, 11.3.2008.
„Indem der Staat dann seine symbolische Öffentlichkeit auf Großsportereignisse wie jetzt die EM umlegt, verjuxt er sich, wie ich meine. Es ist schon schön, wenn jubelnde Kanzler und Kanzlerinnen beim Fußball oder beim Schirennen kommen und jubeln, jedoch sollten sie ihre eigentliche Aufgabe darüber nicht vergessen, nämlich Staat zu sein – und was heißt das jetzt wieder in dem Zusammenhang? Diese Karnevaleskisierung der Welt entzieht der bisherigen Öffentlichkeit ihre – wie ich meine – klassische Aufgabe, die da wäre, Austragungsort der politischen Meinung zu sein. Damit meine ich wiederum: Bei der Überlegung, die Ringstraße zur Fanmeile zu machen, brechen alle sofort in Feierlaune aus. Aber stellen Sie sich jetzt vor, es würde eine Demonstration angemeldet, von diesem Ausmaß – gegen Studiengebühren oder wie immer – dann vermute ich, dass bei der Ankündigung einer Demontration dieser Größe die Koalition wahrscheinlich in eine Panik verfiele und sofort eine Notverordnung erlassen würde, weil es ist ja eine ungeheuer große Bewältigung, so viele Menschen mit Meinung aufnehmen zu müssen.“
Zum Thema „Verschwindet die Öffentlichkeit?“ diskutierten Jens Dangschat (Stadt- und Regionalforscher, Wien), Reinhard Kreissl (Soziologe, München/Wien), Franziska Ullmann (Architektin, Stuttgart/Wien), Elsbeth Wallnöfer (Kulturwissenschaftlerin, Wien), Hans Zeger (Datenschützer, Wien), zu hören in Ö1 dimensionen, am Mittwoch, 12. März 2008, 19.05 Uhr.
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